Klausur · Do.
Geschichte · Gemeinschaftskunde · J1

Weimarer Republik Vom Kaiserreich zur Diktatur · 1918 bis 1933

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01

Doppelte Ausrufung der Republik

Am 9. November 1918, mitten im Chaos der Novemberrevolution, wird die Republik in Berlin zweimal an einem Tag ausgerufen, von zwei verschiedenen Männern, mit zwei völlig verschiedenen Visionen für Deutschland.

Philipp Scheidemann (SPD)

14:00 Uhr · vom Balkon des Reichstags

Parlamentarische Demokratie

  • repräsentative Demokratie nach westlichem Vorbild
  • Wahl einer verfassungsgebenden Nationalversammlung
  • Bündnis mit Militär und Großindustrie zur Stabilisierung
  • Friedensverhandlungen statt Bürgerkrieg
„Es lebe die deutsche Republik!"

Karl Liebknecht (Spartakus)

16:00 Uhr · vom Balkon des Stadtschlosses

Sozialistische Räterepublik

  • direkte Demokratie nach sowjetischem Vorbild
  • Macht in Hand von Arbeiter- und Soldatenräten
  • Enteignung der Industrie, Sturz des Kapitalismus
  • Anschluss an die Weltrevolution
„Ich proklamiere die freie sozialistische Republik Deutschlands."

Was unterscheidet die beiden Systeme?

MerkmalParlamentarische DemokratieRätesystem
Grundideerepräsentativdirekt
Wahlindividuell, Parteienin Basiseinheiten (Betriebe, Wohngebiete), kollektiv
VertretungAbgeordnete im ParlamentRäte in Pyramidenstruktur, keine Parteien
Mandatfrei, feste Amtszeitimperativ, jederzeit absetzbar
GewaltenteilungLegislative, Exekutive, Judikativekeine Gewaltenteilung

Wie ging es weiter?

Rat der Volksbeauftragten: MSPD und USPD bilden eine gemeinsame Übergangsregierung unter Friedrich Ebert. Eigentliches Ziel: Krieg beenden und eine verfassungsgebende Nationalversammlung wählen.

Ebert-Groener-Pakt (10.11.1918): Ebert verspricht der Obersten Heeresleitung, gegen linke Aufstände vorzugehen. Im Gegenzug stützt das Militär die Regierung. Folge: die monarchistisch geprägte Reichswehr wird nie wirklich reformiert.

Stinnes-Legien-Abkommen: Industrie und Gewerkschaften einigen sich. Acht-Stunden-Tag und Tarifautonomie ja, Verstaatlichung nein.

Reichsrätekongress (Dezember 1918): Die Mehrheit der Räte stimmt für eine Nationalversammlung, also gegen ein Rätesystem. Der Spartakusaufstand (Januar 1919) wird von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen, Liebknecht und Luxemburg ermordet.

Klausur-Tipp · Wozu fragt man danach?

Die doppelte Ausrufung zeigt, dass die Weimarer Republik von Anfang an umkämpft war. Sie hatte Feinde von links (Räterepublik) und später von rechts. Ebert und die SPD entschieden sich gegen die Räterepublik, aber der Pakt mit den alten Eliten (Militär, Industrie) führte dazu, dass die Republik ohne echte Republikaner an wichtigen Schaltstellen startete. Genau dieses Erblast wird später bei der Zerstörung der Republik wichtig.

02

Der Versailler Vertrag

Nach dem Waffenstillstand vom 11.11.1918 verhandeln die Siegermächte ohne Deutschland in den Pariser Vororten. Die Deutschen erhoffen sich einen milden Frieden auf Basis von Wilsons 14 Punkten. Was sie bekommen, ist ein Diktatfrieden.

Die Regelungen im Überblick

Artikel 231
Alleinschuld
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Deutschland und seine Verbündeten werden für allen Schaden des Krieges allein verantwortlich gemacht. Juristische Grundlage für die Reparationen, in Deutschland als „Kriegsschuldlüge" empfunden.
Geld & Sachwerte
Reparationen
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Hohe Zahlungen in Geld, Rohstoffen und Industrieprodukten. Genaue Höhe 1919 noch nicht festgelegt, später auf 132 Milliarden Goldmark beziffert. Belastet die Wirtschaft erheblich.
Heer & Marine
Militär
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Berufsarmee von max. 100.000 Mann, keine Wehrpflicht, keine schweren Waffen, keine Luftwaffe, keine U-Boote. Rheinland entmilitarisiert.
13 % weniger
Gebiete
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Elsass-Lothringen an Frankreich, Eupen-Malmedy an Belgien, Westpreußen und Posen an Polen, Danzig wird Freie Stadt, Memelgebiet an Litauen, alle Kolonien weg. Saargebiet 15 Jahre Völkerbund.
verboten
Anschluss Österreich
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Selbstbestimmungsrecht der Völker gilt in Versailles für viele, aber nicht für die Deutschen: Der Anschluss Deutsch-Österreichs an Deutschland wird ausdrücklich verboten.
neue Idee
Völkerbund
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Erste internationale Organisation zur Friedenssicherung. Deutschland erst 1926 Mitglied. Die USA selbst traten dem Völkerbund nie bei.

Die Haltung der Siegermächte

Zwei Sichtweisen auf den Vertrag

Sicht: unbarmherziger Frieden

Karikatur Simplicissimus, Plakat „Protestiert!"

  • Deutschland wird wie hingerichtet, gefesselt, gedemütigt
  • „Sklaverei ohne Ende"
  • kein Selbstbestimmungsrecht für Deutsche
  • Aufruf zum Widerstand
  • als ungerecht empfunden

Sicht: Kompromissfrieden (Kolb 2002)

Historische Forschung

  • einzelne Bestimmungen waren weniger hart als möglich
  • kein „karthagischer Frieden"
  • Deutschland blieb europäische Großmacht
  • Hoffnung auf milden „Wilson-Frieden" war Selbstbetrug
  • für kluge Politik gab es Spielräume zur friedlichen Mitte Europas
  • Deutschland warf diese Chance durch maßlosen Hass auf das „Versailler System" weg
Klausur-Tipp · Was solltest du beurteilen können?

Wichtig: Der Vertrag wirkt härter, als er objektiv war, aber das ist beinahe egal. Die subjektive Wahrnehmung als Demütigung wird von den Gegnern der Republik (vor allem von der NSDAP) gezielt instrumentalisiert. Hitler verspricht die Aufhebung des Vertrages und macht damit Stimmung. Der Vertrag ist also weniger durch seine Bestimmungen, sondern durch seine politische Wirkung ein Belastungsfaktor für die Republik.

03

Die Weimarer Verfassung

Die Nationalversammlung tagt im Theater von Weimar (Berlin ist zu unruhig) und beschließt eine moderne, fortschrittliche Verfassung. Sie enthält jedoch einige Konstruktionsfehler, die später bei der Zerstörung der Republik eine Rolle spielen.

Was war fortschrittlich?

  • Allgemeines Wahlrecht für alle ab 20 Jahren, erstmals auch für Frauen
  • Verhältniswahlrecht, jede Stimme zählt gleich
  • umfangreicher Grundrechtskatalog (Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Gleichberechtigung)
  • Volkssouveränität, das Volk ist Quelle der Macht
  • Direktwahl des Reichspräsidenten
  • Volksentscheid und Volksbegehren als Mittel direkter Demokratie

Die Konstruktionsfehler

Fehlende 5-Prozent-Hürde

Jede noch so kleine Splitterpartei kommt in den Reichstag. Folge: bis zu 16 Parteien gleichzeitig, Mehrheitsbildung extrem schwer, häufige Regierungswechsel.

Starke Stellung des Reichspräsidenten („Ersatzkaiser")

Direkt vom Volk gewählt, kann den Reichstag auflösen, ernennt und entlässt den Reichskanzler, ist Oberbefehlshaber der Reichswehr, kann per Artikel 48 Notverordnungen erlassen, also Gesetze ohne Reichstag. Diese Macht wird ab 1930 systematisch zur Aushöhlung der Demokratie genutzt.

Schwache Stellung des Reichskanzlers

Der Reichskanzler ist vom Vertrauen des Reichspräsidenten abhängig, nicht primär vom Reichstag.

Mangelnde Verankerung der Grundrechte

Grundrechte können per Artikel 48 außer Kraft gesetzt werden. Sie sind nicht unantastbar wie heute im Grundgesetz.

Übergewicht Preußens

Preußen umfasst rund zwei Drittel des Reichsgebiets. Wer Preußen kontrolliert, kontrolliert Deutschland (siehe Preußenschlag 1932).

Artikel 48 · der gefährlichste Paragraph

Der Reichspräsident kann bei „erheblicher Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" Notverordnungen erlassen, Grundrechte aussetzen und die Reichswehr einsetzen. Gedacht als Ausnahme. Wird ab 1930 zur Regel: 1930 noch 5 Notverordnungen, 1932 schon 66.

04

Parteien der Weimarer Republik

Das Parteienspektrum reicht von kommunistisch bis nationalsozialistisch. Drei Parteien (SPD, Zentrum, DDP) bilden die Weimarer Koalition, die als die Verfassungsparteien oder Republikaner gelten. Andere stehen der Demokratie kritisch oder feindlich gegenüber.

Partei Position Verfassung & Staatsform Haltung zur Republik
KPD radikal links proletarische Diktatur, zentralistische Rätedemokratie, Bündnis mit UdSSR republikfeindlich, will Räterepublik
SPD links Einheitsrepublik, parlamentarische Demokratie, republiktreue Reichswehr Verfassungspartei, Republikaner
DDP linksliberal Volks- und Rechtsstaat, gleiches Recht für alle, Berufsbeamtentum Verfassungspartei, Republikaner
Zentrum katholisch, Mitte starke Exekutive, gegen gewaltsamen Umsturz, Reichswehr als Bestandteil der Republik Verfassungspartei, Republikaner
DVP rechtsliberal starke Staatsgewalt, Wiedererrichtung des Kaisertums per Volksbeschluss monarchistisch, Vernunftrepublikaner
DNVP rechts, deutschnational Monarchie über den Parteien, starke Exekutive, Wehrpflicht zurück republikfeindlich, monarchistisch
NSDAP rechtsextrem starke Zentralgewalt, Diktatur, Staatsbürger nur „Volksgenossen deutschen Blutes" republikfeindlich, totalitär

Haltung zum Versailler Vertrag

Hitlers Wahlkampfrede in Eberswalde, 27.7.1932 · die wichtigsten Aspekte
  1. Schicksalswahl: Hitler stilisiert die Wahl zur Entscheidung zwischen zwei Systemen, nicht zwischen Parteien.
  2. Schuldzuweisung an die „13 Jahre": Bürgertum und marxistische Parteien hätten Deutschland 13 Jahre lang ruiniert, sie tragen die Verantwortung.
  3. Bilanz der „Anderen": wirtschaftlich zerstört, Bauernstand ruiniert, Mittelstand verelendet, Millionen Arbeitslose.
  4. Anti-Internationalismus: die Gegner bauen auf „internationale Vorstellungen", die NSDAP konzentriere sich auf die im Volk vorhandenen Kräfte.
  5. Volksgemeinschaft: nationales Deutschland „ohne Klassen, ohne Stände, ohne Konfessionen".
  6. Bekenntnis zur Intoleranz: „Wir sind intolerant! Ich habe mir ein Ziel gestellt: nämlich die 30 Parteien aus Deutschland hinauszufegen!" Offene Ankündigung der Diktatur.

Beurteilung des Zitats „Sie können sich winden, wie sie wollen: dafür sind sie verantwortlich!": Hitler nutzt eine rhetorisch wirkungsvolle Vereinfachung. Tatsächlich tragen die Weimarer Parteien zwar Mitverantwortung, aber die Krise hat multiple Ursachen: Versailler Vertrag, Weltwirtschaftskrise (USA-Crash 1929), Konstruktionsfehler der Verfassung, Verhalten der konservativen Eliten. Hitler blendet bewusst aus, dass auch sein eigenes Verhalten (Blockadepolitik der NSDAP im Reichstag, Straßengewalt der SA) zur politischen Lähmung beiträgt. Die Aussage ist demagogisch, weil sie eine komplexe Lage auf einen Schuldigen reduziert.

05

Wahlergebnisse · das Schrumpfen der Mitte

Die Wahlergebnisse zeigen ein dramatisches Bild: Die Verfassungsparteien der Weimarer Koalition (SPD, DDP/Staatspartei, Zentrum, BVP) verlieren stetig an Zustimmung, die Ränder gewinnen, vor allem die NSDAP ab 1930.

Die zentralen Zahlen im Kopf

WahlDatumVerfassungsparteienNSDAPKPD
Nat.-Vers.19.1.191976,2 %5,9 % (USPD)
1. Reichstag6.6.192047,7 %2 %
2. Reichstag4.5.192443,6 %(Völkische 6,5 %)12,6 %
3. Reichstag7.12.192449,8 %3 %9 %
4. Reichstag20.5.192849,8 %2,6 %10,6 %
5. Reichstag14.9.193042,8 %18,3 %13,1 %
6. Reichstag31.7.193237,9 %37,3 %14,3 %
7. Reichstag6.11.193236,3 %33,1 %16,8 %
8. Reichstag5.3.193333,3 %43,9 %12,3 %

Was zeigt das Schaubild „Schrumpfen der Mitte"?

  1. 1919 als Höhepunkt: Die Weimarer Koalition hat 76 Prozent. Eine demokratische Mehrheit, aber nur dieses eine Mal.
  2. Schon 1920 dramatischer Einbruch auf unter 50 Prozent. Die Republik hat danach nie wieder eine sichere demokratische Mehrheit.
  3. Stabilisierungsphase 1924 bis 1928: moderate Werte, NSDAP marginal.
  4. Bruch 1930: NSDAP springt von 2,6 % auf 18,3 % (Wahl nach Beginn der Weltwirtschaftskrise).
  5. Juli 1932: NSDAP wird mit 37,3 % stärkste Partei. Erstmals haben NSDAP und KPD zusammen die Mehrheit im Reichstag, also eine Mehrheit aus zwei Anti-System-Parteien. Die Weimarer Republik ist regierungsunfähig.
  6. Schwankende Mittelparteien (DVP, kleine Parteien) verlieren früher und stetiger als die Pole.
06

Die Goldenen Zwanziger

Nach den Krisenjahren 1919 bis 1923 (Hyperinflation, Putschversuche, Ruhrbesetzung) folgt eine Phase relativer Stabilität. Aber waren sie wirklich so golden?

Das Licht

Wirtschaft

  • Dawes-Plan 1924: US-Kredite, neue Reparationsregelung
  • Währungsreform: Ende der Hyperinflation, stabile Reichsmark
  • Industriewachstum, neue Industriezweige
  • Modernisierung der Infrastruktur

Außenpolitik (Stresemann)

  • Locarno 1925: Anerkennung der Westgrenzen, bessere Beziehungen zu F und B
  • Völkerbund 1926: Deutschland wieder gleichberechtigt
  • Young-Plan 1929: weitere Reparationserleichterung

Gesellschaft & Kultur

  • neues Frauenbild, Berufstätigkeit, Wahlrecht, Mode
  • Arbeitslosenversicherung 1927
  • Bauhaus, neue Sachlichkeit, Kabarett, Film
  • Berlin als kulturelle Metropole

Der Schatten

  • politische Stabilität nur an der Oberfläche, häufige Regierungswechsel
  • konservative Eliten (Hindenburg seit 1925) stehen der Demokratie skeptisch gegenüber
  • extreme Parteien sind geschwächt, aber nicht weg
  • Wirtschaft abhängig von US-Krediten, also auf Sand gebaut
  • Landwirtschaft wird vernachlässigt, Land bleibt konservativ und traditionell
  • nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren, Arbeitslosigkeit bleibt
  • viele Menschen akzeptieren die Demokratie nicht innerlich

Das abrupte Ende

Mit dem Schwarzen Donnerstag (24.10.1929, NY-Börsencrash) endet die Phase. US-Banken fordern ihre Kredite zurück, deutsche Firmen gehen pleite, die Arbeitslosigkeit explodiert. Ab da: Weltwirtschaftskrise und beginnende Zerstörung der Republik.

Beurteilung der Leitfrage · Waren sie wirklich golden?

Eine differenzierte Antwort gehört in jede Klausur: Ja und Nein. Oberflächlich gab es echten Aufschwung in Wirtschaft, Kultur und Außenpolitik. Aber die Stabilität war fragil und auf Pump, das Land blieb gespalten zwischen modernen Großstädten und konservativem Land, und die Demokratie war nicht ausreichend in der Bevölkerung verankert. Sobald die wirtschaftliche Grundlage wegbrach, brach auch die politische Stabilität zusammen.

07

Zerstörung der Weimarer Republik

Genau dieser Bereich ist Brenners Hausaufgabe gewesen. Die Frage: Woran zeigt sich, dass die Weimarer Republik in ihrer Endphase schon sehr geschwächt war? Es geht um politische Krisenzeichen, nicht primär um die Wirtschaft (auch wenn die Wirtschaftskrise der Auslöser war).

März 1930
Ende der letzten Mehrheitskoalition

Die Große Koalition (SPD, Zentrum, DDP, DVP) zerbricht am Streit über die Arbeitslosenversicherung. Letzte parlamentarische Mehrheitsregierung der Weimarer Republik.

ab März 1930
Präsidialkabinette · Brüning

Hindenburg ernennt Brüning ohne Reichstagsmehrheit. Regierung per Notverordnung (Art. 48). Die parlamentarische Demokratie wird systematisch umgangen. Wenn der Reichstag eine Notverordnung ablehnt, wird er aufgelöst.

14.9.1930
Reichstagswahl: NSDAP wird zweitstärkste Partei

Sprung von 2,6 auf 18,3 Prozent. Wirtschaftskrise treibt Wähler in Extrempositionen. Eine Koalition ohne NSDAP oder KPD wird arithmetisch fast unmöglich.

1930 bis 1932
Brünings Sparkurs · „Hungerkanzler"

Deflationspolitik per Notverordnung: Löhne runter, Sozialleistungen runter, Steuern hoch. Ziel: Reparationen loswerden. Folge: Massenarbeitslosigkeit, soziale Not, Vertrauen in den Staat schwindet, radikale Kräfte profitieren.

April 1932
SA-Verbot

Brünings Regierung verbietet die SA wegen ihrer Straßengewalt. Hindenburgs Umfeld ist gegen das Verbot.

Mai 1932
Entlassung Brünings · Intrige

Hindenburgs persönliches Umfeld (Großagrarier, Offiziere, Bankiers) intrigiert gegen Brüning. Sie wollen schnelleren autoritären Umbau und sehen ihre Wirtschaftsinteressen bedroht. Die Regierung hängt nicht mehr vom Reichstag ab, sondern vom Reichspräsidenten und seiner „Kamarilla".

Juni 1932
Kabinett von Papen · „Kabinett der Barone"

Adelige Konservative, parteilos, ohne jede Reichstagsmehrheit. Aufhebung des SA-Verbots. Die Eskalation der Straßengewalt geht weiter.

20.7.1932
Preußenschlag

Reichsregierung setzt die rechtmäßige preußische SPD-Regierung per Art. 48 ab und übernimmt die Macht. Die wichtigste noch demokratisch regierte Landesregierung wird ausgeschaltet. Verfassungsbruch ohne Konsequenzen.

31.7.1932
Reichstagswahl Juli

NSDAP wird mit 37,3 Prozent stärkste Partei. Wahlkampf von Gewalt geprägt (über 300 Tote). NSDAP und KPD haben zusammen die Mehrheit, eine regierungsfähige Mehrheit ist strukturell ausgeschlossen.

6.11.1932
Reichstagswahl November

NSDAP verliert leicht, bleibt aber stärkste Partei. Misstrauensvotum der KPD gegen Papen. Reichstag aufgelöst.

Dez 1932 bis Jan 1933
Kabinett Schleicher

Versuch, NSDAP zu spalten und linken Flügel der NSDAP einzubinden. Scheitert. Papen intrigiert gegen Schleicher und überzeugt Hindenburg, Hitler zum Kanzler zu machen.

30.1.1933
Ernennung Hitlers zum Reichskanzler

Hindenburg, fast 86 Jahre alt, ernennt Hitler. Sein Umfeld ist überzeugt: ein konservatives Kabinett kann Hitler „einrahmen". Falsche Annahme. Ende der Weimarer Republik, Beginn der NS-Diktatur.

Die politischen Krisenzeichen · Antwort auf Brenners Frage

  1. Verlust parlamentarischer Mehrheiten seit März 1930. Demokratie funktioniert nur, wenn der Reichstag Mehrheiten bilden kann.
  2. Präsidialkabinette und Notverordnungen als neue Normalität. Art. 48 wird vom Ausnahme- zum Normalfall.
  3. Häufige Reichstagsauflösungen entwerten den Reichstag als Institution.
  4. Erstarken der Anti-System-Parteien (NSDAP, KPD), die zusammen ab Juli 1932 die Reichstagsmehrheit bilden.
  5. Politische Gewalt auf der Straße: SA, Stahlhelm, Reichsbanner, Rotfrontkämpfer. Das Gewaltmonopol des Staates erodiert.
  6. Preußenschlag als Verfassungsbruch ohne Konsequenz. Demokratische Gegenwehr fehlt.
  7. Einfluss der Kamarilla auf den Reichspräsidenten, also Großagrarier, Großindustrielle, Militärs. Politik wird hinter den Kulissen gemacht.
  8. Demokratiefeindlichkeit der Eliten in Verwaltung, Justiz, Militär, Wirtschaft. Die alten Strukturen aus der Kaiserzeit haben überdauert.
  9. Verlust des Vertrauens in die Demokratie in der Bevölkerung, vor allem in der Mittelschicht und auf dem Land.
  10. Demokratie ohne Demokraten: die meisten Eliten und viele Wähler stehen der Republik distanziert oder feindlich gegenüber.

Warum scheiterte die Weimarer Republik insgesamt? · die sechs Faktoren

Faktor 1
Fehlende 5 %-Hürde
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Bis zu 16 Parteien im Reichstag, Mehrheitsbildung sehr schwer, Splitterparteien blockieren Politik.
Faktor 2
Starker Reichspräsident
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Art. 48, Auflösungsrecht, Notverordnungen, Oberbefehl. „Ersatzkaiser". Schwacher Reichskanzler im Vergleich.
Faktor 3
Schwache Grundrechte
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Grundrechte können per Art. 48 ausgesetzt werden. Sie sind nicht unantastbar wie heute im Grundgesetz.
Faktor 4
Übergewicht Preußens
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Preußen umfasst zwei Drittel des Reichs. Wer Preußen kontrolliert, kontrolliert Deutschland. Preußenschlag 1932.
Faktor 5
Wirtschaftliche Krisen
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Hyperinflation 1923, Weltwirtschaftskrise ab 1929. Soziale Not, Massenarbeitslosigkeit. Wenig sozialer Rückhalt für die Demokratie.
Faktor 6
Konservative Eliten
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In Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Militär, Bildung. Aus dem Kaiserreich übernommen, der Republik gegenüber distanziert oder feindlich.
Kernsatz für die Klausur

Die Weimarer Republik scheiterte nicht an einem einzelnen Ereignis, sondern an einem Zusammenspiel aus strukturellen Schwächen der Verfassung, dem Erbe der nicht erneuerten Eliten, der Wirtschaftskrise und einer politischen Klasse, die ab 1930 bereit war, die Demokratie aktiv auszuhöhlen. Hitler wurde Kanzler, weil konservative Eliten ihn ins Amt brachten, in der falschen Überzeugung, ihn kontrollieren zu können.

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08

Selbsttest

Frage 1 · Doppelte Ausrufung

Wer rief am 9. November 1918 um 16 Uhr die „freie sozialistische Republik" aus?

Frage 2 · Versailler Vertrag

Welcher Artikel des Versailler Vertrages legte die Alleinschuld Deutschlands am Krieg fest?

Frage 3 · Verfassung

Was ermöglichte Artikel 48 der Weimarer Verfassung dem Reichspräsidenten?

Frage 4 · Parteien

Welche drei Parteien bildeten die „Weimarer Koalition" als Verfassungsparteien?

Frage 5 · Wahlergebnisse

Bei welcher Wahl wurde die NSDAP erstmals stärkste Partei im Reichstag?

Frage 6 · Goldene Zwanziger

Welcher Außenminister war hauptsächlich für die Verständigungspolitik (Locarno, Völkerbund) verantwortlich?

Frage 7 · Zerstörung

Was bezeichnet der Begriff „Preußenschlag" vom 20. Juli 1932?

Frage 8 · Zerstörung

Welche Aussage über die letzten Jahre der Weimarer Republik trifft NICHT zu?
09

Lern-Checkliste

Geh diese Liste durch und hak ab, was du sicher kannst. Was offen bleibt, schaust du dir nochmal genauer an.